Harlem: ein Ghetto wird trendy

© Karin Bratone
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Als ich vor 30 Jahren nach New York kam verlief die Trennlinie zwischen dem "weißen" und dem "schwarzen" New York genau auf der 96. Straße quer durch Manhattan. Diese Straße war allen New Yorkern bekannt und galt als Demarkationslinie zwischen dem "guten" Teil von Manhattan und den gefährlichen, von Drogen und Kriminalität gebranntmarkten Straßen nördlich davon.

Block um Block reihten sich ausgebrannte Hausruinen aneinander und mit Müll übersäte, leere Grundstücke waren die trostlosen Spielplätze für die Kinder und Jugendlichen, die das Pech hatten “on the wrong side of the track” geboren worden zu sein.

Kaum ein Weißer verirrte sich da hinauf und wer in einen Jazzclub wollte, wie z. B. in die "Showmans Lounge" oder zu "Small’ s Paradise" konnte nur schwer einen Taxifahrer dazu überreden, so weit in den Norden zu fahren: “Too dangerous” , zuckten sie meist resignierend die Schultern – und sie wollten natürlich auch den langen Weg zurück nicht leer fahren.

Harlem's Geschichte

© Karin Bratone
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Ursprünglich war Harlem im späten 19. Jahrhundert als respektable Mittelstandsgegend für deutsche, italienische und jüdische Immigranten konzipiert worden, die genug Geld gespart hatten, um die überbevölkerten Slumwohnungen der Lower East Side und deren katastrophalen sanitären Zustände zu verlassen.

Möglich wurde dies 1904 als die New Yorker Subway eröffnet wurde. Zum ersten Mal hatten tausende arbeitende Menschen nun die Möglichkeit, in gut gebaute Mietshäuser weit in den friedlichen und grünen Norden der Insel hinaufzuziehen. Zur Arbeit, nach downtown, fuhren sie bequem mit der Subway.

Erst nach dem 1. Weltkrieg, als der Immobilienboom zum Erliegen kam und immer mehr Schwarze aus den Südstaaten in den Norden zogen, kamen es zur Bildung des schwarzen Ghettos.

© Karin Bratone
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In den 1920er und 30er Jahren entstanden in Harlem immer mehr Musik- und Dance Clubs, in denen schwarze Künstler für weißes Publikum auftraten. In den bekannten Jazz Clubs wie dem "Cotton Club", dem "Renaissance Ballroom", dem "Savoy" und dem "Lafayette Theater" konnte man die besten Musiker der Zeit hören. Außerdem war Harlem in den Jahren der Prohibition eine beliebte Gegend, denn hier war es leichter, an Alkohol heranzukommen. Die schlimmste Zeit in Harlem waren die 1970er und 80er Jahre, als fast ganz Harlem zu einem einzigen riesigen Schwarzenghetto verkam. Arbeitslosigkeit, Drogenkriminalität und Schießereien dominierten das Leben der Menschen, die in den verwahrlosten Sozialwohnungen, den sogenannten “projects” wohnten.

30 Jahre später...

In den letzten 10 Jahren stürzten sich Bauherrn und Immobilienmakler auf Harlem.

Ehemals stattliche "Brownstones" wurden attraktiv saniert während zugleich moderne Glashochhäuser mit Eigentumswohnungen entstanden, die jetzt eine junge, urbane Schicht ansprechen.

Im Jahr 2012 ist Harlem eine trendige und gesuchte Wohngegend. Junge Freelancer, Intellektuelle, Musiker, Ehepaare mit Kindern und viele Singles ziehen jetzt gerne bis zur 125. Straße.

Tipps für Harlem-Besucher

© Karin Bratone
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Wenn Ihr New York-Aufenthalt sich über einen Mittwoch erstreckt, sollten Sie sich Karten für die “Amateur Night” im historischen Apollo Theater auf der 125. Straße besorgen.

Vokalisten, Instrumentalisten, Rapper, Hip-Hop Artists, Tänzer und allerlei unbekannte Talente warten auf ihren großen Moment. Jeden Mittwoch um 19:30 Uhr stellen sie sich mit klopfendem Herzen einem sehr kritischen Publikum, das viel Applaus für die Talentierten bereit hält – die Armen, denen vor Aufregung die Stimme versagt und die Nerven auf der Bühne durchgehen, werden allerdings genau so gnadenlos von der Bühne gebuht.

Apollo Theater

253 West 125th Street
New York, NY, USA 10027
Tickets: $19, $25, $29
In person at the Apollo Theater Box Office
By phone call Ticketmaster (800) 745-3000
Online at www.ticketmaster.com

Um die Ecke, auf der 126. Straße und Lennox Avenue gibt es ein neues Highlight der New Yorker Gastroszene:

The Red Rooster

310 Lenox Avenue
New York, NY 10027
between 125th and 126th
Tel. 212.792.9001

Vor sieben Jahren siedelte der äthiopisch-schwedische Starkoch Markus Samuelson nach Harlem über. Er ist nicht nur ein bekannter New Yorker Restaurantbesitzer, sondern hat auch zahlreiche Kochbücher veröffentlicht und ist oft bei Prominentendinners im Fernsehen zu sehen. Ihm gefiel es in Harlem so gut, dass er dort oben ein neues Restaurant eröffnete, The Red Rooster, das vom ersten Tage an ein Hotspot für Prominente und Politiker wurde. Präsident Obama hatte dort am 29. Mai 2011 ein fundraising event, bei dem mehr als 50 Gäste $30.800 pro Person bezahlten, um dem Präsidenten beim Abendessen näher zu kommen.

The Red Rooster bietet interessantes Essen und Soulfood mit schwedischen Akzenten, aber der Service lässt manchmal zu wünschen übrig und man muss oft mit langen Wartezeiten rechnen. Es hat sich zum Treffpunkt der Schickeria entwickelt – aber am Nachmittag oder auch zu Mittag herrscht eine nette integrierte Atmosphäre mit einem gemischten und interessanten Publikum.

Für abends unbedingt reseriveren, auch für den Gospelbrunch am Sonntag!

Wenn Sie beim Red Rooster nicht mehr unterkommen, gibt es direkt daneben, ebenfalls auf der Lenox Avenue ein sehr nettes französisches Bistro, in dem man recht günstig und gut essen kann:

Chez Lucienne

308 Lenox Ave (between 125th St & 126th St)
New York, NY 10027 
(212) 289-5555.

Auch an dieser Ecke, zwischen der 124. und 125. Straße auf der Lenox Avenue, gibt es die LENOX LOUNGE eine Institution im Musikleben von Harlem. Billie Holiday, Miles Davis und John Coltrane traten dort bereits im berühmten "Zebra Room" auf und auch heute noch gibt es jeden Abend ausgezeichnete Live Musik. $30 Cover charge pro Person. Cooler Jazz und authentisches Retro Styling lassen die Herzen der Jazzfans aus aller Welt höher schlagen.

Lenox Lounge

288 Malcolm X Boulevard (zwischen 124 und 125th Street)
(212) 904-1571

Gospeltouren – ein paar kritische Anmerkungen...

© Karin Bratone
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An die 150 Gotteshäuser gibt es in Harlem, von denen man viele kleine, bescheidene “storefront churches” nicht gerade als Kirchen bezeichnen würde.

Am Sonntag werden massenweise Touristen mit Bussen mit dem Versprechen nach Harlem gekarrt, an einer authentischen Harlem Gospelmesse teilnehmen zu dürfen. Oft auch ein Besuch des Soul Food Meccas "Sylvia's" auf der 126. Straße eingeschlossen (mittelmäßiges Essen, schwer, fettig und sehr touristisch!).

Wer sich einer der zahlreichen Harlem Gospeltouren anschließt, wird dann am Sonntag um ca. 11 Uhr vor einer der vielen Kirchen abgesetzt, die sich mit den Spenden der zahlreichen Weißen (vorwiegend europäischen) Touristen ein Zubrot für ihre mager gefüllten Klingelbeuten erwirtschaften. Da sitzt dann die gesamte Touristenschar zusammen im hinteren Teil der Kirche und oft werden die schwarzen Gläubigen, für die dies ja ihr Sonntagsgottesdienst ist, wie Bühnenakteure bestaunt, die in einer Vorstellung auftreten.

Sicherheit

Tagsüber ist es meist in allen Gegenden von Harlem sicher, aber am Abend sollte man nicht unbedingt alleine, mit einer großen Digitalkamera bewaffnet, durch die dunklen und leeren Straßen des Viertels ziehen.

Der friedliche Schein trügt oft für Besucher, denn abseits der Hauptstraßen ist das Viertel am Abend nicht ganz so unbedenklich, wie es in den Reiseführern und Szenepublikationen gerne geschildert wird.

Am Samstag und Sonntag Vormittag kann man die schönen und breiten Straßenzüge bewundern und die Besitzer stehen stolz vor ihren liebevoll renovierten Häusern und plaudern mit den Nachbarn. Man kann leicht verstehen, warum man da oben wohnen möchte.

Viel Spaß beim Erkunden dieses interessanten Viertels!

Ihre
Karin Bratone

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